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Die Landwirtschaft ist mit über 50 % größter Flächennutzer in Deutschland. Die gravierenden Veränderungen in der Landwirtschaft haben somit massive negative Folgen für den Naturschutz. So machen auch die Roten Listen als Sterberegister bedrohter Tier- und Pflanzenarten die Landwirtschaft als Hauptverursacher für den Artenrückgang in der Kulturlandschaft aus: Synthetische Stickstoffdünger, Pestizideinsatz, Flurbereinigungen, Drainagen und Verbesserungen in der Produktionstechnik haben nicht nur zu gewaltigen Ertragssteigerungen sondern auch zu einer zweifelhaften Nahrungsmittelqualität geführt. Nebenwirkungen heute üblicher Landbewirtschaftung sind Belastungen von Boden, Wasser und Luft, ein Zerfall der historisch gewachsenen Kulturlandschaften und ein drastischer Rückgang der biologischen Vielfalt. Die industrielle Landwirtschaft verursacht zudem hohe Emissionen, die sowohl das Klima als auch naturnahe Ökosysteme schädigen. Schuld an dieser Situation sind nicht die Bauern allein - die verfehlte Agrarpolitik der letzten Jahrzehnte drängte die Landwirtschaft dazu, immer mehr und immer billiger zu produzieren. Nicht zuletzt förderte das Einkaufsverhalten von Verbrauchern diese Entwicklung. Die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Natur waren keineswegs immer negativ. Über Jahrhunderte und Jahrtausende war Landwirtschaft eine naturverträgliche, extensive Nutzung, die der natürlichen Nutzung unserer ursprünglichen Landschaft durch große Pflanzenfresser entsprach (siehe: Megaherbivorie). Erst Mitte des letzten Jahrhunderts setzte die oben beschriebene Entwicklung ein. Der seit einigen Jahren raumgreifende Trend zum Anbau von Energiepflanzen (v.a. Mais) verschärft das Problem aktuell noch einmal. Auf der anderen Seite der Skala zerfallen die historischen und früher vielfältig genutzten Kulturlandschaften - unrentable Landschaftsteile fallen aus der Nutzung heraus und entwickeln sich im Laufe der Sukzession zu artenarmen, einheitlich strukturierten Lebensräumen mit ebenfalls erheblichen Einbußen an Artenvielfalt. Naturschützer wollen allerdings die Vielfalt an Arten und Biotopen in unserer Kulturlandschaft sichern bzw. wiederherstellen. Die Palette der Maßnahmen dazu reicht von Artenhilfsprogrammen über Nutzungsvereinbarungen mit Landwirten bis zum Zulassen natürlicher Prozesse in Großschutzgebieten. In den 90er Jahren kam ein neues, viel versprechendes Konzept dazu: die „naturnahe Beweidung“ oder „halboffene Weidelandschaft“. Robuste Weidetiere gestalten als Ersatz für nicht mehr vorhandene Wildtiere auf großen Flächen ganzjährig in geringer Dichte die Landschaft. Bunde Wischen e.V. betreibt mit dem Stiftungsland Schäferhaus (siehe: NER Schäferhaus) bundesweit eines der ersten und nach wie vor größten Projekte dieser Art. Die naturnahe Ganzjahresbeweidung ist nicht die Lösung für alle Naturschutzprobleme, aber ein erfolgversprechendes Konzept für eine Vielzahl von Herausforderungen. Weidelandschaften gehören zu den innovativsten Themen des Naturschutzes in Deutschland. Es wird zunehmend klar, dass viele Naturschutzziele nur auf großen Flächen zu erreichen sind. Schon die Größe der benötigten Flächen macht deutlich, dass die bisherigen Methoden der Biotoppflege allein schon aus Kostengründen nicht realisierbar sind. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Konzept der naturnahen Weidelandschaften - ergänzend zur klassischen Biotoppflege, zur ökologischen Landwirtschaft und zum Prozessschutz bisheriger Prägung - ein kosteneffektives und unverzichtbares Instrument zum Erhalt von Artenvielfalt und Biodiversität ist. Die Halboffenen Weidelandschaften sind ein Naturschutzkonzept mit eigenen Zielen, bei dem der Prozessschutz im Vordergrund steht. Er erhöht die kleinräumige Vielfalt von Lebensräumen und Biotopstrukturen, allerdings in einer nicht genau voraussagbaren Form. Der Strukturreichtum in Weidegebieten entsteht aus zwei Gründen: Zum einen schaffen ihn die Weidetiere selbst, z.B. in Form von Weiderasen, Totholz, Trittspuren und Pfaden, Suhlen, Sandbadestellen und Kot (auch außerhalb der landwirtschaftlichen Weidesaison). Zum anderen können auf Ganzjahresweiden Strukturen belassen werden, die eine anderweitige landwirtschaftliche Nutzung stören würden, z.B. Gehölz-Jungwuchs, umgestürzte Bäume und Kleingewässer. Der Verzicht auf landwirtschaftliche Pflegemaßnahmen wie Mähen, Schleppen und Walzen vergrößert die Strukturvielfalt zusätzlich, da Erdbaue von Kleinsäugern, Ameisennester oder Hochstaudenfluren nicht mehr zerstört werden. Mittelfristig kommt es außerdem zur Aufhebung der unnatürlichen und auch in der Kulturlandschaft historisch recht jungen Trennung von Wald und Offenland. Dieser Strukturreichtum in den Halboffenen Weidelandschaften ist die Voraussetzung für die Artenvielfalt und die Biodiversität, die je nach Ausgangssituation erhalten wird oder neu entstehen kann.
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