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Allen Tieren in menschlicher Obhut muss ausreichend arttypische Nahrung zur Verfügung stehen. Die Idee der ganzjährigen Beweidung ist, dass die Tiere ihren Bedarf das ganze Jahr über aus der Weidefläche decken können. Da sich Menge und Qualität der Nahrung im Jahreslauf natürlicherweise verändern, haben die verschiedenen Tierarten im Lauf ihrer Evolution Strategien entwickelt, um damit zurecht zu kommen. Eine verbreitete Anpassung ist die Einlagerung von Fett während der Vegetationszeit, die als Vorrat für den Winter dient. Durch den Verbrauch der Reserven im Winter verlieren die Tiere bis zum Frühling an Gewicht. Dieser Masseverlust ist bei den verschiedenen Arten entsprechend ihren entwickelten Strategien unterschiedlich groß. Rinder verlieren im Winter natürlicherweise stärker an Gewicht als Pferde.
Die Winterbeweidung von Flächen ist nicht nur ein natürlicher Vorgang, sondern sie hat auch eine große Bedeutung für den Naturschutz. Ein wesentlicher Teil der Landschaftsgestaltung durch große Pflanzenfresser findet außerhalb der Vegetationszeit statt. Gehölzverbiss spielt dabei eine besondere Rolle. Selbst Fichten und andere wenig schmackhafte, auch standortfremde Gehölze wie Kartoffelrose und Späte Traubenkirsche werden z.B. von Rindern vornehmlich im Winter „bearbeitet“.
Bei optimaler Bestandsdichte findet in einer Ganzjahres-Weidelandschaft im Sommer eine deutliche Unterbeweidung statt. Die Tiere sind nicht in der Lage, die aufwachsende Vegetation flächendeckend kurz zu halten. Genau das ist beabsichtigt, da so immer ausreichend Pflanzenindividuen ihren Entwicklungszyklus bis zur Samenreife abschließen können. So entsteht ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Strukturen mit vielfältigen Lebensräumen. Ein Teil der nicht verzehrten Vegetation ist gleichzeitig der Wintervorrat für die Weidetiere, von dem sie bis zum Beginn der nächsten Vegetationsperiode leben müssen. Ob die Besatzdichte richtig gewählt wurde, kann man nur im ausgehenden Winter vor Beginn der Vegetationsperiode anhand des Zustands von Flächen und Tieren beurteilen. Zu Beginn eines Projektes helfen nur Erfahrungswerte aus anderen Weidesystemen.
Trotz ihrer Fähigkeit zur Zelluloseverdauung über den Wiederkäuermagen unterliegen Rinder beim (weitgehenden) Verzicht auf eine Winterzufütterung erheblichen Gewichtsschwankungen. Vom Herbst bis zum Frühjahr verlieren die Tiere ca. 20 – 25 % ihres Gewichtes, dies entspricht bei ausgewachsenen Galloways 100 bis 125 kg. Pferde verlieren im Winter erheblich weniger an Körpermasse. Trotz ihres weniger effektiven Verdauungssystems halten sie ihr Gewicht auch im Winter nahezu konstant. Dieses gelingt ihnen u.a. dadurch, dass sie sich zusätzliche Nahrungsquellen erschließen. Sie scharren z.B. mit den Hufen nach nahrhaften Wurzeln und Rhizomen verschiedener Pflanzen, wozu Rinder nicht in der Lage sind.
Die Bedeutung der Winterbeweidung ohne Zufütterung wird nach den in den vergangenen Jahren gesammelten Erfahrungen für die Umsetzung von Naturschutzzielen als so entscheidend angesehen, dass besonders in Schleswig-Holstein auf Flächen, die für die Ganzjahresbeweidung zu klein sind, eine reine Winterbeweidung durchgeführt wird. Dies betrifft z.B. von Bunde Wischen e.V. beweidete Kiesgruben und Außendeichbereiche an der Ostsee (Schwansener See und Geltinger Birk), wo es vor allem um die Verdrängung der nicht einheimischen Kartoffelrose geht.
Wird im Winter zugefüttert, ändert sich das Verhalten der Tiere erheblich. Sie warten dann oft nur noch in der Nähe der Futterplätze und verzichten – je nach bereitgestellter Futtermenge – u.U. ganz auf eine eigenständige Nahrungssuche. Dann bleiben die oben genannten gewünschten Effekte der Winterbeweidung aus. Wie der Winter 2009/10 gezeigt hat, gibt es aber Situationen, in denen es keine Alternative zur massiven Zufütterung gibt. Liegt eine dicke, verharschte Schneedecke, dann finden die Tiere eigenständig keine Nahrung mehr. Für diese Situationen halten wir Winterfutter in Form von Heu oder Heulage in erheblichen Mengen vor. Das Futter wird auf eigenen Flächen außerhalb der Weidelandschaften gewonnen. Wird das Futter nicht für die eigenen Tiere benötigt, verkaufen wir es im Frühjahr an Pferdehalter, bei denen das Extensivheu sehr beliebt ist.
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